© by Sarah Chaksad

  • SARAH CHAKSAD

SARAH CHAKSAD ORCHESTRA

Es gibt auch in eingefleischten Jazzkreisen Klischees, die zwar längstens widerlegt sind, sich aber nichtsdestotrotz hartnäckig halten. Eines davon meint, die Frau im Jazz hätte allenfalls als Sängerin oder als Pianistin, keinesfalls aber auf einem Blasinstrument eine Bedeutung. Ein anderes sieht in der Bigband ein Relikt der Vergangenheit, ein längst antiquiertes Format, das jüngere Musikerinnen und Musiker nicht mehr interessieren könne.

Sarah Chaksad, 1983 geboren, widerlegt gleich beides. Sie ist Saxophonistin und leitet bereits seit über fünf Jahren ihr eigenes Orchester, für das sie auch die Kompositionen schreibt und mit dem sie nun ihr zweites Album präsentiert: acht Songs mit eigener Handschrift und ganz von heute. Nach Flöten- und Klavierunterricht stand früh das Saxophon im Zentrum ihres ultimativen Interesses. Bereits mit zarten neun Jahren begann Sarah Chaksad mit dem für das Alter und Geschlecht eher untypischen Instrument, und fast logischerweise wurde damit auch gleich die Begeisterung für den Jazz geweckt. Als Maturarbeit schrieb die junge Musikerin Kompositionen, die mit dem Chor der Kantonsschule Wohlen uraufgeführt wurden. Als erfolgreiches Bachelor-Projekt in Bern folgte ein Liederheft mit Kompositionen für Kinder, begleitet von einer CD. Noch im Masterstudium in Basel versammelte sie eine Gruppe von Freunden um sich, ein Large Ensemble, für das sie sämtliche Stücke komponierte – das Sarah Chaksad Orchestra war geboren. Im folgenden Jahr bestritt die junge Bandleaderin damit ihr Masterdiplom-Konzert im Basler bird’s eye. 

Wer bei orchestralem Jazz an alte Aufnahmen oder den Sound einer amerikanischen College-Bigband denkt, liegt beim Sarah Chaksad Orchestra falsch: Zwar fusst auch dieses Orchester auf der Tradition, doch einerseits sind die Kompositionen heutig und anderseits die Bandmitglieder allesamt nicht bloss überdurchschnittliche Orchestermusiker, sondern gleichzeitig auch individuell ganz exzellente Solisten. Chaksads Musik steht europäischen Vorbildern weit näher als amerikanischen. Gerade George Gruntz mit seiner Concert Jazz Band und Mathias Rüegg mit dem Vienna Art Orchestra haben als Schweizer vorgemacht, was an kraftvollem, satten Sound und individuellem Ausdruck mit einer aus herausragenden Solisten bestehenden Grossformation möglich ist.

 

Die Kompositionen serviert sie ihren Musikern nicht fertig zugeschneidert, sondern entwirft ihr Mass genauso, dass es mit der persönlichen Ausgestaltung ihre endgültige Note erhält, individuell von jedem Bandmitglied mit gefärbt. Damit steht der Komponistin eine ganze Palette zur Verfügung, die sie klug zu nutzen weiss: Sie lässt es im Tutti knallen und kontrastiert dazu verschiedenste Kombinationen und feine Nuancen, in denen sie die Musiker solistisch brillieren lässt, sie führt Stimmen parallel, aber zuweilen geschickt auch kontrapunktisch. So hören wir eine Combo, die swingt, balladesk Tiefe kreiert, aber auch mal mit einem fast etwas rockigen Stück aufrüttelt, die hellwach klingt und erstaunliche Reife offenbart. 

(Steff Rohrbach, 2019)

(Steff Rohrbach, 2019)(

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LINE-UP

Sarah Chaksad as/ss/comp/ld

Andreas Böhlen as/ss/cl/fl

Pepe Auer as/cl/bcl

Cédric Gschwind ts/fl

Fabian Willmann ts/cl/bars

Julie Fahrer voc

Hildegunn Øiseth tp/goat horn

Charles Wagner tp

Jonas Winterhalter tp

Octave Moritz tp

Lukas Wyss tb

Lukas Briggen tb

Paco Andrea vtb

Lucas Wirz btb

Thomas Lüscher p

Valentin Hebel g

Sebastian Gieck b

Eva Klesse dr

Die CD Release Tour vom Sarah Chaksad Orchestra wird unterstützt durch:

»Chaksad ist einer europäischen Ästhetik verpflichtet, mag neue Klangwelten und es darf auch mal knallen. Das Besondere an der Musik von Chaksad ist, dass sie bei aller Komplexität immer zugänglich bleibt. «Ich mag einfache, poppige Melodien», sagt die Komponistin und Arrangeurin, «die Musik soll spannend, aber nicht verkopft klingen.» Das Sarah Chaksad Orchestra ist eine echte Bereicherung für den Schweizer Jazz.«       Stefan Künzli, BZ 16.11.2016

 

»Hier ist eine hochkreative Frau am Werk, die nun ein packendes Debut vorlegt.«

Frank von Niederhäusern im Kulturtipp Nr. 23/16

 

»Glücklicherweise vorbei die Zeiten, wo lediglich Standards neu interpretiert wurden.«

»So klingt die Big Band der Gegenwart.«

Silvano Luca Gerosa in Jazz ‚N’ More Nr. 6/16

 

»Ihre Stärke sind differenzierte, durchgearbeitete, sorgsam überlegte Partituren, in denen sie virtuos mit den Klangfarben der fünfzehnköpfigen Formation spielt. Dies stellt sie eher in die Traditionslinie von Bob Brookmeyer, Maria Schneider oder Mathias Rüegg anstelle von Count Basie oder Duke Ellington, wobei sie keinen dieser Vorläufer kopiert.«

Werner Stiefele, RONDO 3.12.2016